Schwarztaxi
Im damaligen Ostberlin gab es Taxis nicht gerade im Überfluss. Der Taxibetrieb gehörte zum VEB Kombinat Berliner Verkehrsbetriebe (BVB), darin waren Straßenbahn/Obus, U-Bahn, Omnibus, Weiße Flotte und Taxi zusammengeschlossen. Wo Not am Mann war, da waren Ostberliner schon immer erfinderisch. So blühte auch im Taxigeschäft eine verbotene aber dennoch geduldete Schattenwirtschaft.
Besonders am Wochenende wenn viele Leute unterwegs waren,
ob zur Disco, in den Nachtclub oder zu anderen nächtlichen Vergnügungen, waren Taxis Mangelware.
Das war die Stunde der Schwarztaxis. Das Prinzip und die Regeln waren einfach, schnappe keinem offiziellen Taxi einen Fahrgast weg und verlange kein Fahrgeld von deinem Kunden.

So zog auch ich jeden Freitag, Samstag und Sonntag so gegen 20 Uhr mit meinem Moskwitsch 408/1E los. Man hatte nichts weiter zutun als die Straßen entlang zufahren, dort wo Leute standen die Fahrt zu verringern und schon wurde man von Irgendjemand an den Straßenrand gewunken. Jeder wußte, Autos die am Wochenende oder zu Feiertagen nachts unterwegs waren sind Schwarztaxis. Da man ja kein Geld verlangen durfte, kam es natürlich auch mal vor, dass man für einen feuchten Händedruck und ein Dankeschön fuhr. Solche Sachen waren aber schnell vergessen wenn die nächste 5 Minuten Fahrt zehn Mark ein brachte. An wirklich guten Tagen konnte man da schon zwischen 150,- bis 250,- Mark die Nacht verdienen. Ein wirklich schlechter Tag reichte dann gerade für die nächste Tankfüllung.
Heute ist es wohl kaum Vorstellbar das der Beruf Taxifahrer in der DDR ein absoluter Traumjob war, an dem man höchstens mit Beziehungen ran kam. Auch Berufe wie Müllkutscher, Nachtmilchfahrer oder Haustourfahrer in der Großwäscherei VEB Rewatex waren Tätigkeiten an die es so gut wie kein ran kommen gab. Wer dort arbeitete, gab diese Jobs auch nicht freiwillig auf. Aus heutiger Sicht ist es Unvorstellbar das Diese und einige wenige andere Jobs so begehrt waren. Die Erklärung dafür ist einfach, diese Tätigkeiten waren überdurchschnittlich gut bezahlt beziehungsweise brachten überdurchschnittlich gutes Trinkgeld.
Das ist natürlich nur meine Erfahrung aus Berlin, der Hauptstadt der DDR.
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Oktober 13th, 2007 at 21:24
Gleiches gab es auch in Leipzig. Vor allem zur Messezeit war Schwarztaxifahren sehr lukrativ da es dann ja auch das begehrte “Westgeld” gab. Immer wenn ich Donnerstag von Montage kam ging es dann sofort auf den Bock, ebenfalls ein 408er Mossi.
Sehr lukrativ war auch das Fahren zu Herrentag. Da waren die Herren immer sehr grosszügig.
Mai 14th, 2010 at 17:58
Die Verhältnisse haben sich diametral verkehrt. In Ostberlin gab es viele die Taxi fahren wollten, z. B. die Rentner wenn sie spät abends aus Westberlin zurück kamen, aber zu wenig Taxis. Heute gibt es viele Taxis, aber zu viele arme Berliner. Ein Vermerk: Die Ostberliner Wolgas und Shigulis hatten keine Taxometer. Der Fahrer mußte jede Fahrt in ein Formular eintragen. Ein Nichtfunktaxi durfte planmäßig 25% leer fahren, mit Funk 10%. Wenn der Fahrer seinen Plan erfüllt hat und das mußte er ja, hatte er einen schönen Nebenverdienst.
Alles verstanden?
Juli 29th, 2010 at 22:14
Der Traumjob Schwarztaxifahrer war hier in der vogtländischen Provinz eher nicht so verbreitet. Ich kann mich erinnern, fast immer ein Taxi bekommen zu haben. Manchmal habe ich nachts, mit meiner Braut unterwegs, einfach einem vorbeifahrenden hinterhergepfiffen. Und sie hielten an und kamen zurück!. die Traumjobs, für die sogar Maurer - auch so ein Traumjob wegen der Feierabendbrigadentätigkeit - ihren Job wechselten, waren Fensterputzer und Putzmann. Warum? Weil diese Tätigkeiten meist sehr frü oder spät erledigt wurden, und dann hatte man Zeit für die Feierabendbrigade. Feierabendbrigaden waren geduldete und geförderte “Schwarzarbeiter”.